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Die neue schwarz-gelbe Regierung ist gebildet, und im Koalitionsvertrag steht neben vielen anderen Dingen ein Kompromiss der Wahlversprechen beider Parteien in Bezug auf die Wehrpflicht. Sie wird nicht abgeschafft, aber sie wird auch nicht unberührt gelassen: Statt 9 Monate, sollen es bis 2011 nur noch 6 Monate Wehrdienst bzw. Zivildienst sein.

Dieser Kompromiss löst viele verschiedene Reaktionen aus. So spricht sich der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Hartmut Bagger erneut für eine Abschaffung der Wehrpflicht aus. Er möchte die Bundeswehr am liebsten in eine Freiwilligenarmee umgewandelt sehen. Seiner, aber auch vieler anderen Meinungen nach, macht eine Wehrpflicht von sechs Monaten keinen Sinn, da die gelernten Grundkenntnisse nach den ersten drei Monaten kaum noch richtig angewandt werden können.

Dieser “faule Kompromiss” (Hartmut Bagger) stößt aber auch auf positive Rückmeldungen, wie zum Beispiel von dem Vorsitzendem des Bundeswehrverbands Oberst Ulrich Kirsch. Er sieht die Verkürzung auf sechs Monate als eine Verminderung der Ungerechtigkeit, die beim Einberufen von jungen Männern herrscht, da durch die 6-Monate-Wehrpflicht statt 90 000 Männern pro Jahr, 120 000 einberufen werden könnten.

Viele verärgerte Stimmen kommen jedoch von den Zivildienststellen, denn diese würden schwer unter so einer Verkürzung auf sechs Monate leiden. Der Grund: Wenn man Schulungen und Urlaubstage des Zivildienstleistenden von den sechs Monaten Gesamtzeit abzieht, dann würde dieser nur noch ungefähr vier Monate Arbeitszeit haben. Da aber der Trend in Richtung ehrenamtliches Arbeiten geht, würden Zivildienstleistende nur noch schwer eine Stelle finden können. Der Abteilungsleiter beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Thomas Niermann sagt: „Der Aufwand steht in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen. Es sollte geprüft werden, ob eine freiwillige Verlängerung des Dienstes nicht durchzusetzen wäre.”

Allgemein lässt sich also sagen, dass kommende wehrpflichtige junge Männer bei diesen Nachrichten wohl aufhorchen werden, sich aber wenig freuen können. Denn zum Einen wird man beim Bund nach der harten Grundausbildung kaum noch Zeit haben sich auf einem Bereich zu spezialisieren. Will man verweigern, dann kann man damit rechnen eine freiwillige verlängerte Zeit als “Zivi” in Anspruch zu nehmen, oder gleich ein freiwilliges soziales Jahr zu wählen.

Ich persönlich als kommender Wehrpflichtiger stimme Hartmut Bagger zu. Die schwarz-gelbe Regierung hat dort einen wirklich “faulen Kompromiss” geschaffen, der mehr Schwierigkeiten in die Welt ruft, als er beseitigt. Halbe Sachen sind nicht das, was ich von einer erfolgreichen Regierung erwarte.